01Zeigen Sie uns ein Projekt, auf das Sie besonders stolz sind.▶
Diese Bewerbungsseite. Nicht weil sie perfekt ist – sondern weil ich sie als Designer und Erzieher zugleich gebaut habe: Typografie, Farbsystem, Animationen, responsives Layout – alles in reinem HTML/CSS/JS, kein Framework. Das ist gleichzeitig mein Arbeitsbeispiel und meine Visitenkarte. Kein Agenturprojekt aus der Schublade.
02Wie gehen Sie mit Kunden um, die vom Design keine Ahnung haben?▶
Mit Respekt – sie haben keine Ahnung von Design, ich habe keine Ahnung von ihrem Business. Das ist ein fairer Deal. Ich erkläre gestalterische Entscheidungen in Wirkungsbegriffen, nicht in Fachvokabular: „Das wirkt vertrauenswürdiger" statt „Das hat eine höhere typografische Hierarchie." Und ich stelle Moodboards vor, bevor ich Designs zeige – um Erwartungen abzugleichen.
03Photoshop, Illustrator oder InDesign – wann was und warum?▶
Photoshop = Pixel, Foto, Compositing. Illustrator = Vektor, Logo, Icon, alles was skalieren muss. InDesign = mehrseitige Layouts, Publishing, Drucksachen. Wer das verwechselt, macht entweder schlechte Logos (rastern statt vektorisieren) oder aufgeblähte Dateien. Das habe ich in der IHK-Ausbildung gelernt und in der Agentur täglich angewendet – Gestaltung & Realisation: 65 von 66 Punkten.
04Was ist Ihr größter gestalterischer Misserfolg – und was haben Sie gelernt?▶
Ein Logo-Projekt, bei dem ich das Briefing nicht richtig abgefragt habe. Ich habe nach meinem Gefühl gearbeitet – nicht nach dem der Marke. Das Ergebnis war handwerklich gut und inhaltlich falsch. Briefing ist alles. Seitdem stelle ich zuerst 20 Fragen, bevor ich ein Programm öffne. Kreativität ohne Richtung ist Dekoration.
05Wie reagieren Sie, wenn ein Kunde Ihren Entwurf komplett ablehnt?▶
Zuerst: nicht defensiv werden. Dann: verstehen warum. „Gefällt mir nicht" ist kein Feedback – ich frage nach. Was genau? Was haben Sie erwartet? Kundenfeedback ist Rohdaten, kein Urteil über meine Qualität. Wenn das Briefing klar war und meine Lösung solide ist, erkläre ich meine Entscheidungen. Manchmal überzeugt das. Manchmal ändere ich. Manchmal gebe ich dem Kunden Recht.
06Was macht für Sie ein gutes Logo aus?▶
Einfach, einprägsam, skalierbar, zeitlos, vielseitig – das sind Paul Rands Kriterien und ich halte sie für richtig. Simpel bedeutet nicht einfach – es bedeutet auf das Wesentliche reduziert. Ich teste Logos immer in Extremformaten: 5mm und 5 Meter, Schwarz-Weiß und Farbe, digital und Print. Was bei allen funktioniert, ist ein gutes Logo.
07Wie bereiten Sie Druckdaten vor – was kann schiefgehen?▶
CMYK statt RGB, 300 dpi Mindestauflösung, 3mm Beschnitt, Sicherheitsabstand einhalten, Schriften in Kurven wandeln, Sonderfarben definieren. Was schiefgeht: RGB-Logos, die im Druck verwaschen – klassisch. Oder fehlender Anschnitt, der Weiß-Ränder produziert. Druckdaten überprüfe ich immer zweimal – einmal als Gestalter, einmal als Qualitätsprüfer.
08Was ist Corporate Identity – und warum ist sie mehr als ein Logo?▶
Corporate Identity umfasst Design, Kommunikation und Verhalten eines Unternehmens. Das Logo ist der sichtbarste Teil – aber auch der kleinste. CI schlägt fehl, wenn der Auftritt konsistent ist, aber das Verhalten nicht passt. Bei Silke Krüger habe ich CD-Pakete entwickelt: Logo, Visitenkarte, Briefbogen, Werbemittel – und dabei immer gefragt: Was strahlt dieses Unternehmen aus, wenn kein Design da ist?
09Wie gehen Sie mit Zeitdruck und mehreren parallelen Projekten um?▶
Ich priorisiere nach Deadline und Abhängigkeit – was blockiert andere, was kann ich asynchron voranbringen? Ich kommuniziere früh, wenn Deadlines in Gefahr sind: lieber eine Version 1 pünktlich als eine perfekte Lösung zu spät. In der Agentur war Parallelarbeit Alltag – das hat mir beigebracht: Done ist besser als perfekt, solange die Qualität stimmt.
10Was ist responsives Design – und wie setzen Sie es um?▶
Mobile-First: ich designe für den kleinsten Bildschirm zuerst und skaliere nach oben. CSS Grid und Flexbox statt fixer Pixel-Layouts. Breakpoints nach Content, nicht nach Device-Normen. Relative Einheiten (rem, vw) für Typografie. Diese Bewerbungsseite funktioniert auf 320px und auf 2560px – nicht weil ich ein Framework benutzt habe, sondern weil ich das Prinzip verstehe.
11Was ist Typografie für Sie – und warum unterschätzen Anfänger sie?▶
Typografie ist 90% des Designs – und der am meisten unterschätzte Teil. Anfänger sehen Schriften als Dekoration. Profis sehen sie als Kommunikationssystem: Hierarchie, Rhythmus, Persönlichkeit, Lesbarkeit. Ich achte auf Zeilenlänge (45–75 Zeichen), Kerning, Zeilenabstand und Schriftpaarung. Falsche Typografie macht gute Inhalte unsichtbar.
12Was ist barrierefreies Design – und warum sollte es jeden betreffen?▶
Barrierefreiheit ist kein Randthema – 15% der Menschen weltweit leben mit einer Behinderung. WCAG-Kontrast (4,5:1 für Normal-Text), Alternativtexte, tastaturnavigierbare Interfaces. Für Print: keine rein farbcodierten Informationen (Farbenblindheit betrifft 8% der Männer). Barrierefreies Design ist fast immer auch besseres Design für alle. Das ist meine Überzeugung – und meine Praxis bei dieser Seite.
13Welchen Designtrend halten Sie für überschätzt?▶
Glassmorphism im 27. Corporate-Dashboard. Trends sind Angebote, keine Vorschriften. Was ich für unterschätzt halte: klassische Typografie und ehrliche Weißraumkomposition. Das überdauert jeden Trend. Ich habe kein Problem damit, einer Marke zu sagen: „Der Trend passt nicht zu Ihnen." Das ist keine Meinung, das ist Strategie.
14Wie entwickeln Sie ein Farbkonzept von Grund auf?▶
Zuerst: Markencharakter in Adjektiven fassen. Dann: Farbpsychologie als Richtung, nicht als Regel. Adobe Color für Farbharmonien (komplementär, analog, monochrom). Kontrast nach WCAG AA überprüfen. Primär-, Sekundär- und Akzentfarbe definieren. Dann testen – auf echten Materialien, in echten Kontexten. Farbe auf dem Bildschirm ist selten die Farbe im Druck.
15Wie verbinden Sie Pädagogik und Gestaltung – ist das ein Widerspruch?▶
Kein Widerspruch – ein Vorteil. Ich verstehe Lernprozesse, Zielgruppenpsychologie und Kommunikationsbedürfnisse von Bildungseinrichtungen aus eigener Erfahrung. Elternbriefe, Kita-CI, Lernmaterialien, Portfoliodesign – ich gestalte für Kontexte, die ich kenne. Keine Agentur, die Bildungseinrichtungen betreut, kann das von innen so verstehen wie ich.
16Ein Kunde will ein grünes Logo auf rotem Hintergrund – wie reagieren Sie?▶
Ich erkläre sachlich: Grün auf Rot ist das klassische Beispiel für Farbenblindheitsproblematik (Rot-Grün-Schwäche, ca. 8% der Männer) und hat schlechten Kontrast. Ich zeige, wie es tatsächlich aussieht. Dann mache ich einen Alternativvorschlag. Wenn der Kunde danach trotzdem auf seiner Version besteht – dokumentiere ich meinen Einwand und führe den Auftrag aus. Letzte Entscheidung liegt beim Kunden.
17Was ist Ihre Design-Philosophie – in einem Satz?▶
Design ist Kommunikation mit Haltung – jede Entscheidung erzählt etwas, ob ich es will oder nicht. Deshalb treffe ich Entscheidungen bewusst: Farbe, Schrift, Raum, Hierarchie – alles ist Aussage. Ich gestalte nicht, um zu dekorieren, sondern um zu verstehen und verstanden zu werden.
18Wie gehen Sie mit kreativen Blockaden um?▶
Ich erzwinge Kreativität nicht. Blockaden sind Verarbeitungsprozesse – meistens steckt das Problem woanders: unklares Briefing, zu hoher Anspruch, zu wenig Input. Meine Methoden: Perspektivwechsel (Was würde jemand anderes tun?), schnelle Scribble-Sprints (5 Minuten, kein Radiergummi), oder: andere Aufgabe erledigen und mit frischem Blick zurückkommen. Perfektion beim ersten Versuch ist ohnehin eine Illusion.
19Was inspiriert Sie gestalterisch?▶
Alles, was gut kommuniziert – nicht nur Design. Musik (ich komponiere selbst), Architektur, Typografie auf alten Buchcovern, die Art wie jemand ein Gespräch strukturiert. Inspiration kommt selten aus Designblogs allein. Awwwards und Behance sind gut – aber ich lerne mehr davon, wenn ich beobachte, wie Menschen in der Natur Formen sehen und Farbe wahrnehmen.
20Wie würden Sie sich als Gestalter in einem Satz beschreiben?▶
Ich bin ein Querdenker mit Handwerk – jemand, der aus drei Berufsfeldern kommt, deshalb anders auf Probleme schaut, und trotzdem weiß wie man sauber in CMYK druckt. Mein Vorteil ist nicht Spezialisierung – mein Vorteil ist, dass ich Pädagogik, Empathie und Gestaltung in einem denken kann.